Chorregie - Ein anderer Blick auf Chöre

Seit fast 30 Jahren arbeite ich mit Chören. Und eine Frage lässt mich dabei nicht los:

Wie kann die Musik, die ich so liebe, auf der Bühne wirklich berühren?

Ich habe Auftritte erlebt, bei denen das Publikum abwechselnd vor Rührung geweint und ausgelassen gelacht hat. Und andere, die einfach so dahinplätscherten – bei denen die Zuschauer verstohlen ins Programmheft geschaut haben, um herauszufinden, wann endlich Pause ist.

Was genau macht diesen Unterschied?

Der Weg zu einem Ensemble, das die Kunst der Unterhaltung verkörpert, ist immer auch ein innerer Prozess der Gruppe. Auftreten hat viel mit „sich zeigen“ zu tun – mit dem Ablegen alter Gewohnheiten, mit dem Aufbrechen von Gruppendynamiken und mit dem Risiko, etwas zu tun, was einem später vielleicht peinlich sein könnte.

Diese Reise – innerlich wie äußerlich – habe ich über viele Jahre begleitet. In den folgenden Texten schreibe ich über einzelne Aspekte davon: über Wahrnehmung, Präsenz, Gruppendynamik und die kleinen Entscheidungen, die auf der Bühne einen großen Unterschied machen.